Der Herbst ist ein guter Zeitpunkt, um ein Gebäude mit einer Wärmebildkamera zu kontrollieren. Draußen sinken die Temperaturen. Gleichzeitig werden die Innenräume wieder beheizt. Dieser Temperaturunterschied kann Schwachstellen an der Gebäudehülle sichtbar machen.
Im ersten Teil meiner Blogserie zur Infrarotfotografie und Thermografie erkläre ich, wie Wärmebilder bei der Suche nach Kältebrücken, undichten Fenstern und schlecht gedämmten Bereichen helfen können.
Was zeigt eine Wärmebildkamera?
Eine Wärmebildkamera erfasst die von Oberflächen abgegebene Infrarotstrahlung. Daraus entsteht ein Wärmebild. Unterschiedliche Oberflächentemperaturen werden durch verschiedene Farben dargestellt.
Warme und kalte Bereiche lassen sich dadurch schnell miteinander vergleichen. Je nach gewählter Farbskala erscheinen warme Stellen zum Beispiel gelb, orange oder rot. Kalte Bereiche werden häufig blau oder violett dargestellt.
Die Farben allein sind jedoch noch kein Beweis für einen Baumangel. Entscheidend sind die gemessenen Temperaturen, die Aufnahmebedingungen und die Position der auffälligen Stelle.
Warum eignet sich der Herbst für Thermografie?
Für aussagekräftige Wärmebilder ist ein deutlicher Temperaturunterschied zwischen innen und außen nötig. Das Gebäude sollte beheizt sein, während es draußen spürbar kälter ist.
Ein Temperaturunterschied von mindestens 10 Grad Celsius ist sinnvoll. Noch bessere Ergebnisse sind bei einem Unterschied von etwa 15 Grad möglich. Wenn die Innenräume auf 20 Grad beheizt werden, sollte die Außentemperatur möglichst unter 10 Grad liegen.
Im Sommer sind diese Bedingungen meist nicht gegeben. Der Herbst, Winter und das frühe Frühjahr eignen sich daher besser für die Kontrolle der Gebäudehülle.
Das Gebäude auf die Aufnahmen vorbereiten
Vor der Aufnahme sollten die zu prüfenden Räume mehrere Stunden gleichmäßig beheizt werden. Türen zwischen unterschiedlich warmen Räumen sollten möglichst geschlossen bleiben.
Fenster und Außentüren müssen ebenfalls geschlossen sein. Werden sie kurz vor der Aufnahme geöffnet, können kalte Oberflächen entstehen. Diese können das Ergebnis verfälschen.
Gardinen, Möbel oder große Gegenstände sollten den Blick auf Außenwände, Fensteranschlüsse und Heizkörpernischen nicht verdecken. Nur frei sichtbare Oberflächen können aufgenommen werden.
Auch das Wetter spielt eine wichtige Rolle. Starker Wind, Regen und direkte Sonneneinstrahlung verändern die Oberflächentemperaturen. Außenaufnahmen sollten daher am besten früh am Morgen, am Abend oder bei bedecktem Himmel erfolgen.
Kältebrücken im Wärmebild erkennen
Kältebrücken sind Bereiche, an denen Wärme schneller nach außen gelangt als über die angrenzenden Bauteile. Bei Innenaufnahmen erscheinen solche Stellen häufig kälter als ihre Umgebung.
Typische Bereiche sind:
- Fensterlaibungen und Fensterstürze
- Rollladenkästen
- Gebäudeecken
- Übergänge zwischen Wand und Decke
- Heizkörpernischen
- Balkonanschlüsse
- Geschossdecken
- Dachanschlüsse
- schlecht gedämmte Wandbereiche
- nachträglich verschlossene Öffnungen
Eine auffällige Temperaturabweichung kann auf eine schwache Dämmung oder einen problematischen Anschluss hinweisen. Sie kann aber auch durch Luftbewegungen, Feuchtigkeit oder unterschiedliche Baustoffe entstehen.
Undichte Fenster und Türen finden
Fenster und Außentüren gehören zu den häufigsten Stellen für Wärmeverluste. Besonders ältere Dichtungen können mit der Zeit hart, porös oder undicht werden.
Bei einer Innenaufnahme können kalte Bereiche entlang des Fensterrahmens auf eine mögliche Undichtigkeit hinweisen. Auffällig sind vor allem ungleichmäßige Temperaturverläufe an Dichtungen, Rahmen und Anschlüssen.
Auch Rollladenkästen sollten kontrolliert werden. Sie sind bei älteren Gebäuden häufig schlechter gedämmt als die umliegenden Wände.
Ein Wärmebild zeigt, an welcher Stelle eine genauere Prüfung sinnvoll sein kann. Ob tatsächlich kalte Luft durch einen Spalt eintritt, lässt sich bei Bedarf durch weitere Untersuchungen prüfen.
Innenaufnahme und Außenaufnahme
Bei einer Innenaufnahme werden kalte Bereiche gesucht. Sie können auf Wärmeverluste, kalte Außenluft oder schlecht gedämmte Bauteile hinweisen.
Bei einer Außenaufnahme ist die Betrachtung umgekehrt. Dort können ungewöhnlich warme Stellen zeigen, an welchen Bereichen Heizwärme durch die Gebäudehülle gelangt.
Beide Ansichten ergänzen sich. Eine auffällige Stelle sollte nach Möglichkeit aus mehreren Blickrichtungen aufgenommen werden. Zusätzlich erstelle ich ein normales Foto. So lässt sich später genau erkennen, welches Bauteil auf dem Wärmebild untersucht wurde.
Thermografie vor einer Gebäudemodernisierung
Eine Wärmebildkontrolle kann vor einer geplanten Modernisierung sinnvoll sein. Sie hilft dabei, auffällige Bereiche zu finden und gezielter zu prüfen.
Mögliche Einsatzbereiche sind:
- Kontrolle von Fenstern und Außentüren
- Suche nach Schwachstellen in der Dämmung
- Prüfung von Rollladenkästen
- Kontrolle von Dachübergängen
- Vergleich verschiedener Wandbereiche
- Dokumentation vor einer Sanierung
- Kontrolle nach abgeschlossenen Arbeiten
Die Aufnahmen können dabei helfen, weitere Untersuchungen vorzubereiten. Sie ersetzen jedoch keine Energieberatung, kein Baugutachten und keine fachliche Bewertung durch einen Sachverständigen.
Was Thermografie nicht leisten kann
Eine Wärmebildkamera zeigt Oberflächentemperaturen. Sie kann nicht durch Wände sehen. Auch die genaue Ursache einer auffälligen Temperatur lässt sich aus einem einzelnen Bild oft nicht sicher bestimmen.
Eine kalte Stelle kann durch eine Kältebrücke entstehen. Sie kann aber auch mit Luftzug, Feuchtigkeit, einem verdeckten Bauteil oder einem anderen Material zusammenhängen.
Feuchtigkeit lässt sich mit einer Wärmebildkamera nicht direkt messen. Verdunstung kann eine Oberfläche abkühlen und dadurch im Wärmebild auffallen. Für eine sichere Bewertung ist jedoch eine zusätzliche Feuchtigkeitsmessung notwendig.
Wärmebilder dienen daher vor allem dazu, auffällige Bereiche sichtbar zu machen und gezielte weitere Prüfungen zu ermöglichen.
Dokumentation mit Wärmebildern und Vergleichsfotos
Für meine Aufnahmen nutze ich eine FLIR ONE Wärmebildkamera. Auffällige Bereiche werden als Wärmebild festgehalten und durch normale Fotos ergänzt.
So entsteht eine verständliche Dokumentation. Sie zeigt, wo Temperaturunterschiede festgestellt wurden und welches Bauteil betroffen sein könnte.
Die Bilder können bei der Vorbereitung eines Gesprächs mit einem Energieberater, Fensterbauer, Dachdecker oder einem anderen Fachbetrieb helfen. Die endgültige Bewertung und die Planung möglicher Maßnahmen sollten durch den passenden Fachbetrieb erfolgen.
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Fazit
Der Herbst bietet gute Bedingungen für die Suche nach Kältebrücken und undichten Fenstern. Wichtig sind ein ausreichend beheiztes Gebäude, niedrige Außentemperaturen und möglichst ruhiges, trockenes Wetter.
Wärmebilder können verdächtige Stellen sichtbar machen. Sie helfen dabei, die Gebäudehülle gezielt zu kontrollieren und mögliche Wärmeverluste zu dokumentieren.



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